Art:

Ulmus laevis

Flatterulme

Die Flatterulme ist ein großer, stattlicher, bis 40 m hoher Baum. In den großen Flusstälern Mittel- und Osteuropas zählt er zu den bestandesbildenden Arten, zusammen mit Feldulme, Esche und Eiche bildet die Flatterulme den Hartholzauenwald. Die Art ist gegenüber der Holländischen Ulmenkrankheit wenig anfällig. Auffallend sind die Früchte, die im späten Frühjahr an langen Stielen an den Zweigen hängen.

Die Art weist eine hohe Feld-Resistenz gegegn die Holländische Ulmenkrankheit auf.

Vollständiger wissenschaftlicher Name:   
Ulmus laevis Pallas, 1784

Ungültige Synonyme:
U. effusa, U. pedunculata, U. ciliata, U. racemosa

Weitere Namen:
Flatterrüster, Rispenulme (de), fladderiep, steeliep (nl), white elm, European white elm (en)

Die Art ist in Europa weit verbreitet, mit einem Schwerpunkt in Mittel- und Osteuropa. In Polen, Weißrussland und dem westlichen Russland ist sie die häufigste und wichtigste Ulmenart. Sie ist die typische Ulme breiter Stromtäler wie Elbe, Weichsel und Warthe. Innerhalb des Gebiets wird die Flatterulme vielfach als Straßenbaum angepflanzt.

Unter günstigen Bedingungen wird sie bis 40 m hoch und erreicht einen Stammdurchmesser von bis zu 3 m.

Die Flatterulme bildet, zusammen mit der Feldulme, der Esche und der Eiche, natürlicherweise den Hartholzauenwald. Diese Standorte sind im großen Maßstab zerstört worden, unberührte Auenlandschaften gibt es kaum mehr. Die Art bildet keine Reinbestände, sondern tritt immer gemeinsam mit anderen Baumarten auf. Charakteristisch für das Elbtal in Ostdeutschland sind halboffene Weidelandschaften mit mächtigen Flatterulmen. Sie verträgt anhaltende Staunässe vergleichsweise gut. Die Ausbildung von Brettwurzeln wird als ökologische Anpassung an wassergesättigte, schwankende Böden interpretiert.

Die Holländische Ulmenkrankheit kann der Art wenig anhaben, es heißt sogar, sie könne eine Infektion ausheilen. Allerdings kann selbst die Flatterulme bei hohem Infektionsdruck an der Krankheit eingehen.

Die Flatterulme war auch in einen groß angelegten Resistenztest in den Niederlanden einbezogen. In dem Test schnitt sie nicht gut ab (siehe zum Vergleich: Ulmus 'Columella'). Der Grund ist ein einfacher: Es gibt einen Unterschied zwischen der unter Laborbedingungen festgestellten Resistenz und der Feldresistenz. Im Test nimmt die Flatterulme bei den Krankheitsindizes durchgängig einen der drei letzten Ränge ein. Sie wurde, wie alle anderen Bäume im Versuch auch, künstlich mit dem Krankheitserreger infiziert.

In der freien Natur hingegen erfolgt die Übertragung der Krankheit durch den Ulmensplintkäfer, der an jungen Zweigen einer Ulme frisst. Offenbar ist die Rinde der Flatterulme für die Käfer weit weniger attraktiv, als die anderer Ulmenarten. In der Praxis erweist sich die Flatterulme als hochresistent gegen die Holländische Ulmenkrankheit. So finden sich am Mittellauf der Elbe große Ulmenbestäde, die offensichtlich gesund sind. Deshalb kann gerade die Flatterulme uneingeschränkt zur Pflanzung an geeigneten Standorten empfohlen werden. Dies gilt vor allem für die freie Landschaft, wie etwa die großen Flussauen in West- und Mitteleuropa.

Seit kurzem ist eine kontrollierte Herkunft unter dem Namen "Torgauer Flatterulme" auf dem Markt. Es wurden gezielt Mutterbäume zur weiteren Vermehrung ausgesucht, die sich als besonders widerstandsfähig gegenüber der Holländischen Ulmenkrankheit gezeigt hatten. Einzelheiten können auf Anfrage mitgeteilt werden.

Die Flatterulme hat von allen einheimischen Arten die eindeutigsten Blattmerkmale: Es ist groß, 8 bis 12 cm lang, 6 bis 8 cm breit. Die Spreitenbasis ist extrem asymmetrisch, die Zähne des Blattrands sind sichelförmig zur Blattspitze hin gebogen, die Seitennerven verlaufen gleichmäßig parallel und sie sind selten gegabelt (wenn, dann nur im unteren Drittel der Spreite). Die Blüten sind lang gestielt, die Früchte hängen an diesen 1 bis 2 cm langen Stielen im späten Frühjahr an den Zweigen, sie "flattern" im Wind. Die Frucht ist geflügelt und trägt außen einen Kranz feiner Härchen. Alle Merkmale zusammen machen die Flatterulme unverwechselbar. Sie hybridisiert auch nicht mit anderen Arten, so dass sie systematisch isoliert steht und unklare Übergangsformen fehlen. Eng verwandt ist sie mit der Amerikanischen Ulme, wegen der geografischen Trennung kommt es aber nicht zur Hybridisierung.

Die Flatterulme blüht deutlich sichtbar im Februar bis April – je nach dem Temperaturverlauf im Frühjahr. Die zunächst hellgrünen, später pergamentfarbigen Früchte erscheinen wenig später. In guten Jahren bildet sich unter einer fruchtenden Ulme ein knöcheltiefer Teppich aus Früchten.

Das Holz der Flatterulme wurde und wird kaum verwendet, es lässt sich schlecht spalten, reißt aber leicht. Aus diesem Grund, und weil für den Garten- und Landschaftsbau andere Arten zur Verfügung standen, war die Flatterulme nur selten Gegenstand züchterischer Bemühungen. Es sind ein paar Varietäten und Formen mit unklarer systematischer Stellung bekannt:


argento-variegata
aureo-variegata
colorans (= rubescens?)
folia variegata
ornata
punctata
rubra
tiliifolia
urticaefolia

In den Baumschulen des deutschssprachigen Raums sind diese Formen nicht erhältlich.

Die größte und älteste bekannte Flatterulme, wahrscheinlich die größte und älteste Ulme Deutschlands überhaupt, steht in Gülitz, Kreis Prignitz in Brandenburg. Sie hat einen Stammumfang von 970 cm und wird auf ein Alter von 400 bis 700 Jahren geschätzt. Innen ist der Stamm weitgehend hohl, noch ist der Baum aber kräftig belaubt und bringt regelmäßig eine große Menge Nachkommen hervor.

In der „Enzyklopädie der Holzgewächse“ liegt eine ausführliche Monographie über die Flatterulme vor.

Flatterulmen in der Elbaue bei Torgau in Sachsen

Die riesige Flatterulme auf dem Dorfanger in Gülitz

Flatterulme am Elbufer in Hamburg

Eine Flatterulme als Straßenbaum
in Hamburg-Wandsbek

Eine Flatterulme im Naturschutzgebiet "Heuckenlock" in Hamburg

Borke

Eine alte Flatterulme in einem Bauernwald in Schleswig-Holstein

Wurzelanläufe und Brettwurzeln bei der Flatterulme

Blätter der Flatterulme

Extrem asymmetrische Blätter